Google Arts and Culture: Wie Museen weltweit ihre Inhalte digital präsentieren
Ein praxisorientierter Guide zur Plattform – von der Bewerbung bis zur fertigen digitalen Ausstellung.
Die digitalen Möglichkeiten für Museen und Ausstellungen nehmen laufend zu und bieten Ausstellungsteams verschiedene Gelegenheiten, Inhalte, Sammlungen und Geschichten nicht nur im physischen Raum, sondern auch weltweit online zu präsentieren. Und das mit großer gestalterischer Freiheit!
Eine zentrale Plattform für diese Form der digitalen Vermittlung ist Google Arts and Culture.
Im folgenden, praxisorientierten Guide zeige ich Ihnen, wie Sie Inhalte mit Google Arts and Culture digital zugänglich machen. Sie erhalten eine fundierte Einführung in die Plattform und erfahren anhand von Praxisbeispielen, wie Sie Storytelling in digitalen Ausstellungen umsetzen können.
Was ist Google Arts and Culture?
Google Arts and Culture ist eine kostenfreie Plattform des Google Cultural Institute, die 2011 ins Leben gerufen wurde, um kulturelles Erbe digital zugänglich zu machen. Seitdem wurden über 2000 Partnerinstitutionen weltweit eingebunden – darunter Museen (z.B. das Guggenheim in Bilbao oder das MoMA in New York), Archive, Galerien, Stiftungen und Universitäten.
Für Ausstellungsteams bietet Google Arts and Culture die Möglichkeit, eigene Ausstellungen im digitalen Raum zu gestalten, unabhängig von physischen Raumgrenzen, Öffnungszeiten oder geografischer Lage. Die Plattform stellt dabei Tools zur Verfügung, mit denen hochwertige Inhalte wie Bilder, Videos, 3D-Objekte, Texte und Audioformate veröffentlicht werden können.
Die Veröffentlichung erfolgt über ein intuitives Redaktionssystem, das es erlaubt, Inhalte selbständig zu pflegen – von der Themenreihe über Biografien bis hin zu komplexen Storylines. Für viele Museen stellt die Plattform eine Erweiterung der klassischen Ausstellungsformate dar, um eine breitere Zielgruppe zu erreichen.
Warum Google Arts and Culture für Museen eine Chance ist
Die digitale Präsenz bildet mittlerweile einen zentralen Bestandteil der Museumsarbeit. Durch Google Arts and Culture besteht die Möglichkeit, Inhalte online zielgerichtet, erzählerisch und visuell ansprechend einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Gerade für kleinere und mittelgroße Museen bietet die Plattform das Potenzial, digital sichtbar zu werden.
Vorteile der Plattform:
- Kostenfreie Nutzung: Keine Lizenz- oder Hostinggebühren für Partnerinstitutionen
- Intuitive Tools: Einfache Aufbereitung von Texten, Bildern, Audio- und Videoformaten, sogar die Erstellung von 360° virtuellen Touren ist möglich
- Redaktionelle Kontrolle: Inhaltliche Gestaltung liegt beim Museumsteam
- Digitale Archivierung: Inhalte sind langfristig zugänglich und recherchierbar
Zugänglichkeit für neue Zielgruppen
Ein zentraler Vorteil von Google Arts and Culture ist die Möglichkeit, Barrieren abzubauen. Für Menschen, die Museen aus geografischen, körperlichen oder finanziellen Gründen nicht besuchen können, bietet die Plattform einen niederschwelligen Zugang zu Kunst, Kultur und Geschichte – für Schülerinnen und Schüler weltweit, Kulturinteressierte in ländlichen Regionen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Globale Reichweite und Sichtbarkeit
Mit der Veröffentlichung auf Google Arts and Culture wird das Museum Teil eines weltweiten Netzwerks von Kulturinstitutionen und erreicht ein Publikum weit über den regionalen Einzugsbereich hinaus.
Vom Antrag zur Ausstellung: Der Onboardingprozess
Der Zugang zur Plattform erfolgt über eine Partnerschaft mit Google mittels eines Bewerbungsverfahrens. Nach Annahme als Partnerinstitution erhalten Museen Zugang zum CMS. Prozess und Partnerschaft sind kostenfrei.
Die verfügbaren Formate umfassen Bilder, Texte, Videos und 3D-Objekte. Inhaltlich können Biografien, Heldenreisen, historische Fakten und Kontexte aufbereitet werden. Aktuell fasst eine digitale Ausstellung bis zu 30 Folien, empfohlen werden 20. Pro Folie sind maximal 280 Zeichen (inkl. Leerzeichen) zuzüglich Titel möglich.
Zwei Praxisbeispiele aus meiner Arbeit
Familie Frank – eine Familiengeschichte erzählen
Die Ausstellung „Die Geschichte der Familie Frank” (Jüdisches Museum Frankfurt & Anne Frank Fonds Basel) zeichnet die Familiengeschichte Anne Franks seit dem 17. Jahrhundert nach. Zentrale Bestandteile sind Postkarten, Fotografien, Erinnerungsstücke, persönliche Briefe und O-Töne – Briefe von Alice Frank wurden akustisch zugänglich gemacht. Den Abschluss bildet ein Interview mit Buddy Elias (1925–2015), Cousin von Anne Frank.
Arno Lustiger – eine Biografie mit der Storytelling-Methode „Heldenreise”
Arno Lustiger (1924–2012) war Überlebender des Nationalsozialismus, Historiker und jüdischer Aktivist. Die Ausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt zeigt fünf thematische Stationen: Weiterleben, Aufbauen, Mitgestalten, Aufklären, Erinnern. Seit Mai 2024 ist die Ausstellung auf Google Arts & Culture zugänglich.
Häufig gestellte Fragen
Wie können Museen bei Google Arts and Culture mitmachen? Durch eine direkte Bewerbung bei Google.
Entstehen Kosten? Nein, die Teilnahme ist für Museen kostenlos.
Können Museen interaktive Inhalte veröffentlichen? Ja, virtuelle Rundgänge, 3D-Modelle, Videos und interaktive Elemente sind möglich.
Können Museen ihre Ausstellung nach Veröffentlichung noch ändern? Ja.