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Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus in Frankfurt

Gab es sie? Wo? Und wie kann man zu einzelnen Biografien recherchieren?

Gab es Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus auch in Frankfurt?

Derzeit gibt es ungefähr 600 Hinweise auf Orte im Frankfurter Stadtgebiet, an denen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter einquartiert oder beschäftigt waren. Allein im Sommer 1944 waren 5,7 Millionen Menschen als zivile Arbeitskräfte im Deutschen Reich tätig. Insgesamt mussten in Frankfurt am Main zwischen 1939 und 1945 mehr als 49.000 Menschen Zwangsarbeit leisten.

Der Rassismus der Nationalsozialisten führte dazu, dass sie zwischen „Westarbeitern” und „Ostarbeitern” unterschieden. Menschen aus Osteuropa erhielten beispielsweise nur zehn Prozent des Lohns eines deutschen Arbeiters.

Wo finde ich Informationen zur Zwangsarbeit in Frankfurt am Main?

  • Website Frankfurt 1933–1945, Rubrik Wirtschaft und Arbeit / Hilfe zur Recherche
  • Hausstandsbücher (1929–1945) von den Polizeirevieren, zugänglich im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main
  • Akten der Abteilung „Arbeitseinsatz” der Deutschen Arbeitsfront (DAF) im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 483, Signaturen 705, 773, 902, 3259, 7328 und Bestand 480, Signatur 6522a)
  • Digitale Datenbank der Arolsen Archives (Bestand: 2.2.0.1 Schriftwechsel und Unterlagen zur Zwangsarbeit)

Wie kann ich Biografien von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern recherchieren?

Ein Fallbeispiel: Die Deutsche Reichsbahn hatte ihren Sitz am Frankfurter Hauptbahnhof und betrieb 22 Zwangsarbeitslager in der Stadt. Eines der Lager befand sich im Tanzsaal der Gaststätte Stapf in der Oeserstraße 16.

In der Datenbank der Arolsen Archives befindet sich der Bestand der Betriebskrankenkasse der Deutschen Reichsbahn mit über 4.700 Karteikarten. Eine Stichprobe für den Gleisbautrupp 6 zeigt beispielsweise:

  • Giovanni Amendola (Signatur: 76432886)
  • Remo D’Antonio (Signatur: 76432910)
  • Matteo Balduzzi (Signatur: 76432969)
  • Irma Angioli (Signatur: 76432901) – musste einige Monate in einem Steinkohlenbergwerk arbeiten, bevor sie zur Reichsbahn kam; weiteres Schicksal unbekannt

Weiterführende Hinweise

Die interaktive Karte der Frankfurt History App des Historischen Museums Frankfurt macht das Ausmaß des Lagersystems in Frankfurt sichtbar und bietet einen guten Einstieg für eigene Recherchen.

Bei Fragen zur Recherche oder wenn Sie Unterstützung benötigen – nehmen Sie gerne Kontakt auf.

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