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Digitale Spiele im Museum: Interaktive Erlebnisse für Besucher

Chancen und Herausforderungen spielerischer Vermittlungsansätze – vier Beispiele aus der Praxis.

Zusammen mit Sebastian Senger.

Digitale Spiele eröffnen Museen neue Möglichkeiten der Vermittlung. Aber welche Formate funktionieren – und worauf kommt es bei der Konzeption an?

Vier Museen und ihre digitalen Spiele

Memory – Museum für Industriekultur Nürnberg

Ein einfaches Memory mit 8 Bildpaaren, konzipiert für Kinder. Klares Spielprinzip, niedrige Einstiegshürde.

„Demokratie und Diktatur” – LeMO (Stiftung Haus der Geschichte / DHM / Bundesarchiv)

Ein Drag-and-drop-Spiel: Fotografien von Objekten werden entweder der DDR oder der BRD zugeordnet. Vermittelt auf spielerische Weise historisches Kontextwissen.

„Entscheidungsspiel” – Jüdisches Museum Berlin

Entwickelt für die Sonderausstellung „Raub und Restitution” (2008). Vier Figuren, 16 spielbare Varianten – das Spiel veranschaulicht verschiedene Perspektiven auf Restitutionsprozesse und macht die Komplexität historischer Entscheidungssituationen erfahrbar.

Sachsen-Böhmen-7000-Telelernen – Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac)

Vier Minispiele im Stil veralteter Windows-Versionen: Gefälschte Postkarten, Berggeschrey, Lukas Cranach Jump ‘n’ Run, Pümpelschießen. Ironisch-spielerischer Zugang zu archäologischen Inhalten.

Colmar Aventure

Eine native App mit fünf Rundgängen durch die Stadt Colmar. QR-Codes an Objekten verknüpfen physischen Stadtraum mit digitalen Inhalten. Zielgruppe: Familien mit Kindern zwischen 7 und 12 Jahren.

Empfehlungen für die Konzeption

Aus der Auswertung dieser und weiterer Beispiele lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:

  • Einfaches Spielprinzip und intuitive Bedienung – Besucher haben keine Zeit für lange Einführungen
  • Responsive Gestaltung für Smartphones und Tablets
  • Das Spiel sollte auch unabhängig von der aktuellen Ausstellung verständlich und nutzbar bleiben
  • Digitale Spiele sprechen vor allem die Lerndimensionen „Wissen & Verständnis” und „Freude, Inspiration & Kreativität” an

Lebendige Erinnerungskultur durch digitale Spiele

Die Stiftung Digitale Spielekultur hat eine Liste mit Spielen zusammengestellt, die erinnerungskulturelle Themen aufgreifen. Ein Beispiel: Through Darkest of Times – ein Strategiespiel, in dem Spielerinnen und Spieler strategische Entscheidungen einer Widerstandsgruppe im Kampf gegen den Nationalsozialismus treffen.

Die Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte entwickelt derzeit ein Spiel als Bildungsangebot für Schulklassen: Die Kinder vom Bullenhuser Damm. Ein Beispiel, wie digitale Spiele auch für sehr ernste und sensible Themen ein geeignetes Vermittlungsformat sein können.

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